Das Geschiedenentestament

Nach der Schei­dung zählt der Ex-Ehegatte nicht mehr zu den gesetz­li­chen Erben und erhält auch keinen Pflicht­teil. Hinter­lassen die Ehegatten aber gemein­schaft­liche Kinder, so kann es dazu kommen, dass der Ex-Partner über Umwege doch etwas aus dem eigenen Vermögen erhält. Wollen Sie dies verhin­dern, so müssen Sie ein soge­nanntes Geschie­den­en­tes­ta­ment errichten.

Geschiedenentestament

Mittelbare Erbschaft des Ex-Ehegatten

Die Schei­dung ist durch und mit ihr zusammen viel­leicht sogar ein nerven­be­las­tender Rechts­streit. Hatten Sie gemeinsam ein Testa­ment mit Ihrem früheren Partner errichtet, so ist dieses wahr­schein­lich schon längst geän­dert. Denn mit Sicher­heit wollen Sie nicht, dass Ihr Ex-Mann bzw. Ihre Ex-Frau von Ihrem Vermögen etwas erben soll.

Sollte noch kein neuer Partner vorhanden sein, so werden mit Sicher­heit Ihre Kinder als Erben in Betracht kommen. Errichten Sie kein Testa­ment, so sind diese Ihre gesetz­li­chen Erben.

Doch woran viele nicht denken: Verstirbt eines dieser Kinder, so zählt der Ex-Ehegatte zu dessen gesetz­li­chen Erben (und damit grund­sätz­lich auch zu den Pflicht­teils­be­rech­tigten). Der frühere Ehegatte erbt also unter Umständen das eigene Vermögen, das man an das gemein­same Kind vererbt hat.

Folgendes Beispiel soll dies verdeut­li­chen: Ein Ehepaar hat einen gemein­samen Sohn. Die Ehe wird rechts­kräftig geschieden. Beide errichten ein Testa­ment und setzen den Sohn jeweils als Allein­erben ein. Die Mutter hat sich nach der Schei­dung ein kleines Einfa­mi­li­en­haus gekauft. Sie verstirbt und vererbt dieses Haus sowie ihr rest­li­ches Vermögen an den Sohn.

Beispiel1 Bei einem Auto­un­fall kommt der Sohn drei Jahre später eben­falls ums Leben. Da er noch minder­jährig war, konnte er kein Testa­ment errichten. Nun passiert das, was die Mutter mit Sicher­heit verhin­dern wollte: Der Vater und Ex-Mann erhält das gesamte Vermögen, das die Mutter an den Sohn vererbt hat.

Beispiel2

Die Errichtung des Geschiedenentestaments

Möchten Sie verhin­dern, dass Ihr früherer Ehegatte auf diese Weise an Ihrem Vermögen parti­zi­piert, so müssen Sie ein soge­nanntes Geschie­den­en­tes­ta­ment errichten. Diese beson­dere Form des Testa­ments kann wirksam verhin­dern, dass Ihr Ex-Mann bzw. Ihre Ex-Frau an Ihrem Vermögen teil­nimmt und das so, dass Ihre Kinder weiterhin Ihre Allein­erben werden.

Hierzu gibt es zwei verschie­dene Modelle, nämlich die Nach­erbfol­ge­lö­sung sowie die Vermächt­nis­lö­sung. Welche der beiden Lösungen für Sie sinn­voller ist, erör­tere ich gerne mit Ihnen in einem persön­li­chen Bera­tungs­ge­spräch

Übri­gens: Selbst wenn der Sohn im oberen Beispiel voll­jährig ist und ein Testa­ment errichtet, mit dem der Vater als Erbe ausge­schlossen wird, dann hat der Vater einen Pflicht­teils­an­spruch (jeden­falls solange der Sohn selbst keine eigenen Kinder hat). Bei der Berech­nung des Pflicht­teils wird aber das Vermögen der Mutter mitbe­wertet, sodass also der Ex-Mann dennoch am Vermögen der Mutter parti­zi­piert (und unter Umständen müssen die Erben des Sohnes das Haus sogar verkaufen, damit der Pflicht­teil bezahlt werden kann).