Erbstreitigkeiten

Sie können sich nicht aussu­chen, mit wem Sie zusammen erben. Deswegen nennt man Erben­ge­mein­schaften auch Schick­sals­ge­mein­schaften. Gab es bereits früher inner­fa­mi­liäre Konflikte, so können Klei­nig­keiten ausrei­chen, damit aus einer Meinungs­ver­schie­den­heit eine lang­jäh­rige Erbstrei­tig­keit wird, die für alle Betei­ligten sehr belas­tend und kosten­in­tensiv ist.

Erbstreit

Erbstreitigkeiten vermeiden.

Ausein­an­der­set­zungen im Rahmen einer Erbschaft vermeidet am besten bereits der Erblasser durch ein ausge­wo­genes und rechts­si­cheres Testa­ment. Die erheb­li­chen Kosten, die bei einer Erbstrei­tig­keit die Erbschaft aufzehren, kann man durch eine früh­zei­tige Planung mit großer Wahr­schein­lich­keit vermeiden.

Erbstreitigkeit beenden.

Schlecht formu­lierte Testa­mente oder Unstim­mig­keiten zwischen den Miterben könnten zu schwer­wie­genden Ausein­an­der­set­zungen führen. Dabei geht es nicht nur um einen kleinen Kratzer im Auto, die Ausein­an­der­set­zungen sind emotional, persön­lich und belas­tend. Dann ist es meine Aufgabe, für Sie den kühlen Kopf zu bewahren um das für Sie zu errei­chen, was Ihnen zusteht.

Pflichtteilsstreitigkeiten.

Ich bin enterbt! Steht mir trotzdem etwas vom Erbe zu?

  • Kindern (ggf. Enkel­kin­dern), dem Ehegatten und in einigen Fällen auch noch den Eltern des Erblas­sers steht ein gesetz­li­cher Pflicht­teil zu.
  • Dieser beträgt die Hälfte des gesetz­li­chen Erbteils.
  • Es handelt sich aber nur um einen Geld­an­spruch, Sie werden also nicht am Nach­lass­ver­mögen beteiligt.
  • Da Sie in der Regel keinen Einblick in das Vermögen des Erblas­sers haben, müssen Sie zunächst Auskunft von dem oder den Erben verlangen.
  • Da viele Erben ein Inter­esse daran haben, die Pflicht­teils­an­sprüche niedrig zu halten, ist hier äußerste Vorsicht und Aufmerk­sam­keit geboten.

Gegen mich werden Pflichtteilsansprüche geltend gemacht!

  • Sie haben ein Schreiben von einem Anwalt bekommen, der Sie zur Auskunft über den Bestand und die Höhe des Nach­lasses aufge­for­dert hat und er hat Ihnen für diese Auskunft eine Frist gesetzt?
  • Der Pflicht­teils­be­rech­tigte fordert Sie zur Erstel­lung eines Nach­lass­ver­zeich­nisses auf?
  • In der Praxis müssen Sie hier sehr aufmerksam vorgehen, denn bei falschen Auskünften drohen sogar straf­recht­liche Konse­quenzen. Zudem geben viele in der Praxis meist ungüns­tige Werte an und wissen nicht, welche Kosten sie zu Lasten des Pflicht­teils­an­spruchs abziehen können.

Fakten zum Pflichtteil

  • Pflicht­teils­be­rech­tigt sind die Kinder, der Ehegatte und – wenn keine Kinder vorhanden sind – die Eltern (§§ 2303, 2309 BGB). Keinen Pflicht­teil haben damit Geschwister, Nichten und Neffen oder sons­tige Angehörige.
  • Der Pflicht­teils­an­spruch beträgt die Hälfte des gesetz­li­chen Erbteils (§ 2303 Abs. 1 S. 2 BGB).
  • Es handelt sich um einen Geld­an­spruch, d. h. der Pflicht­teils­be­rech­tigte wird nicht am Nach­lass betei­ligt (anders in anderen Ländern, die das soge­nannte Noterb­recht kennen).
  • Der Pflicht­teils­be­rech­tigte hat einen Auskunfts- und Wert­ermitt­lungs­an­spruch (§ 2314 BGB).
  • Schen­kungen des Erblas­sers vor dessen Tod lösen Pflicht­teils­er­gän­zungs­an­sprüche aus (§ 2325 BGB).
  • Hat der Pflicht­teils­be­rech­tigte selbst Schen­kungen erhalten, so sind diese aller­dings unter Umständen auf seinen Pflicht­teil anzu­rechnen (§ 2316 BGB).
  • Der Pflicht­teil unlieb­samer Kinder kann in manchen Fällen mit bestimmten Instru­men­ta­rien verrin­gert werden. In extremen Fällen ist auch an eine Pflicht­teils­ent­zie­hung zu denken (§ 2303 BGB). Diese erfolgt im Testa­ment.

Auseinandersetzungen in der Erbengemeinschaft.

Einer der Miterben möchte vorschreiben, wie zu verfahren ist.

Ein Allein­gang eines Miterben ist meist nicht möglich, denn in einer Erben­ge­mein­schaft müssen alle Miterben grund­sätz­lich sogar gemeinsam entscheiden! Für viele Maßnahmen gilt zwar das Mehr­heits­prinzip, aber sofern das Testa­ment keine beson­deren Bestim­mungen vorsieht kann ein Miterbe zunächst einmal nicht alleine entscheiden.

Einer der Miterben hat alle Unterlagen an sich genommen und gibt sie nicht heraus.

Dass ein Miterbe eigen­mächtig die Unter­lagen des Verstor­benen in Besitz nimmt kommt leider in der Praxis sehr häufig vor. Dies ist nicht recht­mäßig und kann sogar straf­recht­liche Konse­quenzen haben.

Einer der Miterben blockiert die Erbauseinandersetzung.

Vorschen­kungen des Erblas­sers führen oft zu Meinungs­ver­schie­den­heiten bezüg­lich der Höhe von Ausgleichs­an­sprü­chen. Wie hoch solche sind, ist oft nur sehr aufwändig zu ermit­teln. Dennoch sollten Sie dies noch unbe­dingt vor der Auftei­lung des Nach­lasses tun, da Sie andern­falls nach­träg­lich Ihre Ansprüche nur noch schwer oder gar nicht mehr geltend machen können.

Einer der Miterben möchte nur eine Abfindung. Muss ich dazu zum Notar?

Manchmal kommt es vor, dass Miterben nicht an den mate­ri­ellen Gegen­ständen inter­es­siert sind, sondern viel­mehr nur an Geld. Dann kann es sich anbieten, diesen Miterben auszubezahlen.

Dazu müssen Sie diesem Miterben aber nicht unbe­dingt seinen Erbteil abkaufen. Viel­mehr können Sie auch eine soge­nannte Abschich­tungs­ver­ein­ba­rung abschließen, wonach der Miterbe aus der Erben­ge­mein­schaft gegen eine Abfin­dung ausscheidet. Anders als der Erbschafts­kauf muss diese Verein­ba­rung nicht einmal nota­riell beur­kundet werden. Sie sparen dabei also Notarkosten.

Ich bin Miterbe und habe Angst, für die Schulden des Erblassers zu haften.

Solange eine Miter­ben­ge­mein­schaft noch nicht ausein­an­der­ge­setzt ist, gilt eine beschränkte Haftung für alle Miterben. Wenn Sie aber vermuten, dass der Erblasser Schulden hinter­lassen hat, die den Wert des Nach­lasses über­treffen, so ist äußerste Vorsicht geboten, da ansonsten eine unein­ge­schränkte Haftung mit dem persön­li­chen Vermögen droht. Neben der Ausschla­gung gibt es aber noch andere Maßnahmen zur Vermei­dung dieser persön­li­chen Haftung.

Mein Rat für eine Erbengemeinschaft.

Vermeiden Sie die direkte Konfrontation mit den problematischen Miterben.

Diskus­sionen in Miter­ben­ge­mein­schaften können sehr schnell sehr emotional werden. Dies ist nicht nur in persön­li­cher Hinsicht sehr belas­tend und kann zu zerrüt­teten Fami­li­en­ver­hält­nissen führen, wichtig ist auch, dass Sie hierbei keine nach­tei­ligen Äuße­rungen treffen, die später nicht mehr rück­gängig gemacht werden können.

Lassen Sie das Testament überprüfen.

Privat­schrift­liche Testa­mente sind oftmals ungenau formu­liert und führen genau deshalb zu einem Streit. In solchen Fällen sollten Sie das Testa­ment recht­lich über­prüfen lassen, es findet dann eine soge­nannte Ausle­gung statt. Unter Umständen kann eine Einschät­zung darüber, wie Gerichte das Testa­ment beur­teilen würden, bereits dazu führen, dass einige Unstim­mig­keiten geklärt werden.

Rechtsrat sollte auf beiden Seiten stattfinden.

Manchmal sind Miterben bereits so zerstritten, dass eine Eini­gung unter diesen nicht mehr möglich ist. Lässt sich nur einer von beiden von einem Rechts­an­walt vertreten, wird die Situa­tion noch kompli­zierter. Meis­tens kann dann eine Eini­gung nur noch dadurch erzielt werden, wenn beide Parteien sich anwalt­lich vertreten lassen.

Nachlassverfahren.

Streit kann nicht nur unter Miterben entstehen, sondern auch mit dem Nach­lass­ge­richt oder dem Grund­buchamt. Ist das der Fall, dann unter­stütze und berate ich Sie bei:

  • Annahme und Ausschla­gung der Erbschaft (§ 1945 BGB)
  • Anfech­tung von Annahme und Ausschla­gung (§ 1955 BGB)
  • Anfech­tung eines Testa­ments (§ 2081 BGB)
  • Bean­tra­gung eines Erbscheins (§ 2353 BGB)
  • Einzie­hung oder Kraft­los­erklä­rung eines unrich­tigen Erbscheins (§ 2361 BGB)
  • Bean­tra­gung eines Testa­ments­voll­stre­ckerzeug­nisses (§ 2368 BGB)
  • Beglei­tung im Rahmen der Nach­lass­ver­wal­tung bzw. Nach­lassin­sol­venz zur Eingren­zung der Erben­haf­tung (§§ 1975 ff. BGB)
  • Grund­buch­be­rich­ti­gung nach dem Erbfall